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Nick, der neutrale Erzähler?

Wir lesen die Geschichte durch die Augen eines Mannes, der sich uns im ersten Kapitel selbst vorstellt. Bereits hier wird seine Mehrfachrolle deutlich

Er ist 

  • Handelnder
  • Erzählender
  • Kommentator


Das bedeutet er erzählt nicht nur was passiert, sondern ist in den meisten Fällen auch ins Geschehen mit Einbezogen, handelt sogar in einigen Situationen aktiv mit. Er kommentiert die Ereignisse nicht neutral, sondern bewertet sie auch, was ihn nicht bloß zum Erzähler macht, sondern auch zum Kommentator der Ereignisse.

Auch seine eigenen Beziehungen ist er Beobachter und Handelnder zugleich: Einerseits ist er mit Jordan in einer Beziehung, andererseits kommentiert er die Ereignisse.

So wichtig es ist sich die Mehrfachrolle von Nick vor Augen zu führen, so wichtig ist es auch sich Gedanken darüber zu machen was das in der Konsequenz bedeutet.
Machen wir uns klar, dass alles was wir von Gatsby, Jordan, Tom und Daisy erfahren das ist was Nick sieht, fühlt und denkt. Und natürlich erfahren wir über ihn auch nur das was er über sich selbst denkt und wahrnimmt. Doch wer schätzt sich selbst schon realistisch ein? Wer ist schon anderen gegenüber bereit sich in ein schlechtes Licht zu rücken, wenn man über sich selbst berichtet?

Bereits in den ersten Sätzen des Buches erklärt Nick, dass er stets um objektive und wertfreie Urteile bemüht sein wird und dies bereits durch seine Eltern vermittelt bekommen habe. So habe sein Vater ihn bereits ermahnt beim Urteil über andere Menschen vorsichtig zu sein :

""Whenever you feel like criticizing any one," he told me, "just
remember that all the people in this world haven't had the advantages
that you've had."


Die Betonung seiner Neutralität und des Fernliegens aller Urteile sollen suggerieren, dass es sich bei dem Bericht um objektive Schilderungen handelt und nicht um subjektiv gefärbte Wahrnehmungen es Beteiligten.

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